Metadaten







Promotionsordnung


PromO07

Kumulative Dissertation


nein

Titel


Vom Gebrauch eines Autors : Genese und Struktur der Rezeption von Max Webers Werk in Frankreich

Titel (englisch)


On the Use of an Author : Genesis and Structure of the Reception of Max Weber's Work in France

Autor/Autorin


Gemperle, Michael

2. Autor/Autorin



Geburtsdatum


20.07.1972

Geburtsort


Basel

Matrikelnummer


93065092

Schlagwörter (GND)


Weber, Max, 1864-1920; Rezeption; Frankreich; Geschichte

DDC (Dewey Decimal Classification)


Sozialwissenschaften - 300

Freie Stichwörter (deutsch)


Max Weber; Aneignung; Soziologie der Intellektuellen; Wissenschaftssoziologie

Freie Stichwörter (englisch)


France; reception; appropriation

Kurzfassung


Diese Arbeit analysiert die Aufnahme des Werks von Max Weber in Frankreich für den von der Zwischenkriegszeit bis zur Gegenwart reichenden Zeitraum. Im Zentrum steht die Frage, wie ein intellektuelles Erbe von einem seiner Erzeugung kulturell und politisch "fremden" Kontext über die Zeit und (in Verbindung mit der Soziologie) differenziell angeeignet wird, und welche Bedingungen dem zugrunde liegen. Es werden Daten aus verstehenden Interviews mit Rezipienten und Zeitzeugen, aus teilnehmender Beobachtung, aus unveröffentlichtem Archivmaterial, aufgezeichneten Zeugenberichten sowie aus der Zeitschrift, welche seit 1960 die durchschnittliche Produktion wiedergibt (Revue française de sociologie) zusammengetragen und ausgewertet. Im ersten Teil werden gestützt auf Pierre Bourdieus Begriffspaar Feld-Habitus vier zentrale Momente der Aneignung am Beispiel von zentralen Rezipienten untersucht. Im zweiten Teil werden in differenzieller Perspektive elementare Strukturen der Aneignung aufgezeigt. Es wird die These vertreten, dass bei der Rezeption von Max Webers Werk eher dessen symbolische als die ideelle oder konzeptuelle Seite ausschlaggebend ist. Auf konzeptueller Ebene fand der Autor in unterschiedlichen Interpretationen und meist gemeinsam mit anderen Autoren Verwendung, wobei der Zugang zum Werk mitunter über Übersetzungen und Kommentare aus dritten sprachlichen oder politischen Kontexten erfolgte. Die Analyse zeigt, dass sich die über bestimmte Zeiträume zu beobachtenden Regelmässigkeiten vor allem dadurch erklären lassen, dass Max Webers Werk jeweils dank des Ansehens bestimmter Personen und für das Ansehen dieser Personen eine Funktion innerhalb des Rezeptionskontexts erfüllte. Dabei lassen sich drei grundsätzlich verschiedene Rezeptionspraktiken unterscheiden, die mit einem jeweils spezifischen Verhältnis zum Autor einhergehen: Neben Verwendungsweisen, die vornehmlich auf weltliche Anerkennungsformen abzielen, finden sich zum einen Gebrauchsweisen, die das Werk als konzeptuellen Steinbruch verwenden und im Grenzfall gegen den Autor selber einsetzen, zum anderen Praktiken, die zum Aufbau einer konzeptuellen und symbolischen Einheit beitragen und die von ihrem Selbstverständnis her im Dienst des Autors stehen. Die differenzielle Analyse der Verhaltensdispositionen und Positionen der Akteure sowie ihrer disziplinären Räume zeigt, dass diese drei Verwendungsweisen im wesentlichen mit dem Verhältnis der Rezipienten zur Bildungskultur korrelieren. Zudem wird deutlich, dass die Aufnahme von Webers Werk vor allem dann Anlass zu heuristischen Neuerungen bot, wenn sie auf Ziele ausgerichtet war, die denjenigen der universitären Institution entgegenstanden oder über sie hinauswiesen.

Kurzfassung (englisch)


This thesis analyzes the reception of Max Weber's work in France from the interwar period to the present. The central question is how an intellectual heritage is appropriated over time and (in connection to sociology) differentially by a context, which is culturally and politically alien to its manufacturing, and by what this is conditioned. Data have been gathered and evaluated from oral history interviews with recipients and witnesses, from participant observation, from unedited archive material, recorded witness reports as well as from the Revue française de sociologie, a journal reflecting the sociological production since 1960. Based on Pierre Bourdieu's conceptual couple of field-habitus, the first part examines four central moments of the appropriation, starting with the main recipients. In the second part, from a differential perspective elementary structures are revealed. The hypothesis is put forward that the reception of Max Weber's work in France is rather bound to its symbolic than its ideational or conceptual aspects. On a conceptual level, the author has been used in different versions and often associated with other authors, whereby the access to the work was not rarely mediated by established commentaries and translations. The analysis shows that the regularities in the reception, which can be observed over certain periods of time, can be explained through the fact that Weber as an author works due to and for the reputation of certain agents. Three fundamentally different practices of reception can be distinguished, which correspond with specific relations of the recipients to the author: Besides uses that mainly aim at the appropriation of temporal forms of recognition, there are on the one side usages that apprehend the work as a conceptual quarry and employ it in the border case against the author itself, and on the other side practices that tend towards the construction of a conceptual and symbolic unity at the service of the author. The differential analysis of the dispositions and positions of the recipients shows that these usages differ essentially with the relation of these agents to the educational culture. Furthermore, it becomes obvious that the reception of Max Weber's work offered the occasion to heuristic innovations mainly when it aimed at goals directed against or beyond academia.

Universität


Universität St.Gallen

Referent/Referentin


Schultheis, Franz (Prof. Dr.)

Korreferent/Korreferentin


Hahn, Alois (Prof. Dr.)

Erweitertes Diss. Komitee


Heilbron, Johan (Prof. Dr.)

Fachgebiet


Organisation und Kultur (DOK)

Sprache


GER

Promotionstermin (dd.mm.yyyy)


19.09.2011

Erstellungsjahr (yyyy)


2011

Dokumentart


Dissertation

Format


PDF

Dissertationsnummer


3893

Quelle



PDF-File


dis3893.pdf

Dokumentverknüpfung


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