Metadaten







Promotionsordnung


PromO07

Kumulative Dissertation


nein

Titel


Stillhalteabkommen kreditgebender Banken : ein Beitrag zum Unternehmenssanierungsrecht

Titel (englisch)


Standstill agreements between lending banks

Autor/Autorin


Wolf, Markus

2. Autor/Autorin



Geburtsdatum


21.12.1985

Geburtsort



Matrikelnummer


04607818

Schlagwörter (GND)


Schweiz; Bank; Kreditgeber; Stillhalteabkommen; Unternehmenssanierung

DDC (Dewey Decimal Classification)


Recht - 340

Freie Stichwörter (deutsch)


Kreditfinanzierung; Unternehmenssanierungsrecht; Konkursverschleppung; paulianische Anfechtung; faktische Organschaft; aktienrechtliche Verantwortlichkeit; Kreditgewährung; Insolvenzverschleppung; Actio Pauliana; Haftung

Freie Stichwörter (englisch)


Standstill agreements; corporate restructuring; default; lender liability; wrongful trading

Kurzfassung


In der vorliegenden Arbeit wird die Situation betrachtet, dass eine Kreditnehmerin von mehreren Banken kreditfinanziert wird. Gerät die Kreditnehmerin in eine finanzielle Krisensituation und tritt infolgedessen ein sog. Event of Default ein, welcher die Banken zur Kündigung der Kreditverträge und zur Fälligstellung ausstehender Forderungen berechtigt, so stehen den Banken zwei Handlungsalternativen offen: Fortführung oder Ausstieg. Beiden Alternativen sind sowohl faktische als auch rechtliche Schranken gesetzt. Einerseits verfügt die Kreditnehmerin wegen der finanziellen Krise regelmässig nur noch über wenig Liquidität und geringe Refinanzierungskapazitäten. Andererseits ist sie aufgrund der paulianischen Anfechtungsklagen faktisch zur Gleichbehandlung ihrer Gläubiger verpflichtet. Konkret bedeutet dies, dass Kredite häufig nicht mehr zurückgezahlt werden können und dürfen. Auch eine nachträgliche Besicherung ist nur noch beschränkt möglich. Des Weiteren dürften die Banken im Zeitpunkt des Eintretens eines Event of Default häufig noch nicht über genügend fundierte Analysen verfügen, um sich für eine der beiden Handlungsalternativen entscheiden zu können. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass einzelne Finanzgläubiger versuchen, sich auf Kosten anderer besserzustellen. Dieses Dilemma markiert den Ausgangspunkt für den Abschluss eines Stillhalteabkommens.

In der Essenz ist unter einem Stillhalteabkommen ein Vertrag zwischen den kreditgebenden Banken (und allenfalls der Kreditnehmerin) zu verstehen, worin sich die Banken hinsichtlich ihres Kreditengagements für einen bestimmten Zeitraum auf die Beibehaltung des Status quo verpflichten. Dadurch wird sowohl für die Kreditnehmerin als auch für die Finanzgläubiger ein Zeitfenster geschaffen. Zudem werden das Verhältnis der Banken zur Kreditnehmerin und das Verhältnis der Banken untereinander in einen einheitlichen Rahmen überführt. Ein Stillhalteabkommen stellt mithin ein Instrument dar, mit dem ökonomisch sinnvolle Sanierungen auf einer privatrechtlichen Basis eingeleitet werden können. Nicht selten dürfte eine nachhaltige Sanierung gerade erst durch den Abschluss eines solchen Abkommens ermöglicht werden.

Je nach der konkreten Ausgestaltung eines Stillhalteabkommens stellt sich die Frage, ob sich die Banken bei der Vornahme der im Abkommen angelegten Handlungen gewissen zivilrechtlichen Risiken aussetzen. So können unter Umständen Zahlungen der Kreditnehmerin oder die Besicherung von Krediten paulianisch angefochten werden. Auch im Hinblick auf eine aktienrechtliche Verantwortlichkeit der Banken oder eine Einstandspflicht für den infolge einer Konkursverschleppung der Kreditnehmerin entstandenen Gläubigerschaden sind gewisse Abreden nicht unbedenklich. In der vorliegenden Arbeit werden unter anderem Empfehlungen zur Verminderung dieser Haftungsrisiken abgegeben.

Kurzfassung (englisch)


This doctoral thesis considers the situation in which a borrower is financed through several lending banks. In case of the borrower's financial distress, an Event of Default under the finance documents may occur, allowing the lending banks to accelerate their loan. In such situations the banks are faced with two options: they can either continue or back out of their commitments. Both options are restricted by factual and legal considerations. On the one hand, owing to its financial distress, the borrower will typically have insufficient liquidity and limited refinancing capacities at its disposal. On the other hand, in light of bankruptcy law avoidance actions (paulianische Anfechtungsklagen), the borrower is obligated to treat its creditors equally. In many cases, this means that loans cannot be repaid. Also, the possibility to grant security retroactively is highly limited. Furthermore, on the occurrence of an Event of Default, the lending banks oftentimes do not possess sufficient information in order to be able to decide whether to continue or back out of their commitments. Moreover, some creditors might attempt to improve their position at the expense of others. This dilemma marks the starting point for the conclusion of a Standstill Agreement.

In essence, a Standstill Agreement is a contract between lending banks (and, potentially, the borrower), under which the banks agree, for a determined period, to maintain the status quo with respect to their commitments. Thereby, the creditors as well as the borrower are able to gain time for further analysis and the implementation of immediate restructuring measures. Furthermore, the relationship among the banks, and their relations to the borrower, are unified within one consistent framework. A Standstill Agreement, therefore, presents an instrument with which economically reasonable restructurings can be initiated under private law. In many cases, it is only after the conclusion of such an agreement that a sustainable restructuring can be realised.

Depending on the formulation of a Standstill Agreement, the question arises whether the banks, through the performance of actions determined in the agreement, face certain civil risks and liabilities. In some circumstances, payments by the borrower or the granting of security may be contested with avoidance actions. Furthermore, particular clauses can be critical regarding directors' liability actions or a potential liability for damages of other creditors caused by a deferral of the borrower's insolvency (wrongful trading). This thesis, inter alia, presents recommendations as to how these risks can be mitigated.

Universität


Universität St.Gallen

Referent/Referentin


Glanzmann, Lukas (Prof. Dr.)

Korreferent/Korreferentin


Bertschinger, Urs (Prof. Dr.)

Erweitertes Diss. Komitee



Fachgebiet


Rechtswissenschaft (DLS)

Sprache


GER

Promotionstermin (dd.mm.yyyy)


17.09.2012

Erstellungsjahr (yyyy)


2012

Dokumentart


Dissertation

Format


PDF

Dissertationsnummer


4057

Quelle



PDF-File


dis4057.pdf

Dokumentverknüpfung


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letzte Änderung: 09/16/2014 - Allgemeine rechtliche Informationen - Datenschutz [ Nach oben ]