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Promotionsordnung


PromO07

Kumulative Dissertation


nein

Titel


Eine schwierige Mission: Zur Soziologie caritativer Aktionen in spätmodernen Gesellschaften

Titel (englisch)


A difficult mission: on the sociology of charitable actions in late modern societies

Autor/Autorin


Bucher, Michelle

2. Autor/Autorin



Geburtsdatum


09.12.1971

Geburtsort


Hohenems

Matrikelnummer


07614647

Schlagwörter (GND)


Schweiz; Caritas; Nonprofit-Organisation; Organisationssoziologie; Katholische Kirche; Katholische Soziallehre; Armut; Professionalisierung

DDC (Dewey Decimal Classification)


Sozialwissenschaften - 300

Freie Stichwörter (deutsch)


Moralunternehmen; Geschichte Caritas; Armut halbieren

Freie Stichwörter (englisch)


Global player; multinational ethical enterprise; history caritas; poverty; organisational and sociological reflections; caritas; social conditions; professionalization

Kurzfassung


Die Caritas als »multinationales Moralunternehmen« blickt seit ihrer Gründung 1897 auf eine lange Geschichte zurück. Die Profilierung der Organisation steht durch die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft vor zahlreichen neuen Herausforderungen, die traditionelle Legitimation katholischer Wertehaltung ist zunehmend gesellschaftspolitischen Veränderungsprozessen unterworfen. Man denke an dieser Stelle nur an eine sich neu entwickelnde Rechtsprechung im Bereich »Ehe und Partnerschaft« . Fußend auf diesem Prozess müssen dringend neue Strategien gefunden und etabliert werden. Das bedeutet in unserem konkreten Fall, dass auch die Caritas ihre Identität als Organisation und Unternehmen immer wieder neu finden muss.
»Armut halbieren«
Im Jahr 2010 hat sich die Caritas Schweiz das Ziel gesetzt die Armut bis zum Jahr 2020 zu halbieren. Welche Ziele verfolgt sie damit? Es sind zwei Aspekte, die hier verfolgt werden: Einerseits schafft die Organisation eine klare, weil messbare Zielvorgabe. Andererseits nimmt die Caritas damit eine traditionell katholische Thematik - die der Armenfürsorge - auf und transferiert sie in eine moderne Welt, die in zunehmendem Maße von der Armutsfalle auch in unseren Breitengraden betroffen ist. Damit besinnt sich die Caritas wieder auf ihren traditionellen Arbeitsauftrag. Lehner meint dazu:
»Im ersten Jahrtausend der Kirchengeschichte galt tatsächlich das Kirchenvermögen als Erbteil der Armen, als patrimonium. In dieser Sprachregelung manifestierte sich die Überzeugung, dass Caritas zentral und amtlich zur Kirche dazugehört und nicht das private Hobby einzelner grosszügiger Christen sei.« (Lehner, 1997, S. 105)
Diese Rückbesinnung auf die ursprünglichen Zielsetzungen eröffnet den Brückenschlag zur Vergangenheit und erleichtert gleichzeitig das Verstehen der Organisation in der Gegenwart. Die Caritas begibt sich damit in das Spannungsfeld einer polarisierenden Thematik - die der Armut in einem der reichsten Länder der Welt.
Das angesprochene Projekt »Armut halbieren« bietet ein breites Forschungsfeld für wissenssoziologische Betrachtungen. Die Verfasserin legte bei den Untersuchungen in der Feldforschung ihren Fokus auf sechs ausgesuchte Veranstaltungen, was einen vertieften Einblick in die Organisation ermöglichte. Im Zuge der organisationssoziologischen Betrachtung wurden die Strategien und Mechanismen, welche innerhalb der Institution bestimmend sind, manifest: Die Caritas hat sich selbst berufen, die Armutspolitik in der Schweiz mitzubestimmen, und tritt als Lobby der Armen an. Die Strategie der Caritas Schweiz zielt darauf ab, ihre Arbeit über die nächsten zehn Jahre über die Armutsbekämpfung zu legitimieren, zu profilieren und ihre Ressourcen hier einzusetzen.
Angesichts sich rasch verändernder gesellschaftlicher Verhältnisse und eines immer stärker geöffneten und umkämpften Marktes sozialer Dienstleister wird es vor allem der Investition in Professionalisierung bedürfen, um dieses große Ziel zu erreichen und eine Mission zu erfüllen, die ein hohes Risiko birgt.

Kurzfassung (englisch)


Caritas as a »multinational ethical enterprise« can look back on a long history since its founding in 1897. Due to the increasing secularisation of society, the profiling of the organisation faces numerous new challenges; the traditional legitimisation of Catholic values is increasingly subject to socio-political processes of change. One example is recent developments in »marriage and partnership« laws. On the basis of this process, new strategies urgently need to be found and established. Specifically, Caritas also needs to reinvent its identity continuously as an organisation and as an enterprise.
»Halving poverty«
In 2010, Caritas Switzerland set itself the goal of halving poverty by 2020. What aims is it thereby pursuing? There are two aspects being pursued here: on the one hand, the organisation is setting a target that is clear because it is measurable. On the other hand, Caritas is taking on a traditional Catholic issue - caring for the - poor and transferring it to the modern world, which is increasingly affected by poverty even in our part of the globe.
Caritas is therefore reflecting once again on its traditional remit, about which Lehner said:
»For the first millennium of the church's history, the church's assets were actually seen as the inheritance of the poor, as patrimony. Under this convention of speech, the conviction emerged that Caritas was centrally and officially part of the church and not the private hobby of a few generous Christians.« (Lehner, 1997, p. 105)
This recollection of the organisation's original aims bridges the gap between the past and the present and at the same time makes it easier to understand the organisation today. Caritas is operating in a difficult and polarising area - that of poverty in one of the richest countries in the world.
The previously mentioned project of »halving poverty« offers a wide field of research for sociological consideration. In the field research studies, the author focused on six carefully chosen institutions, thus enabling a more in-depth insight into the organisation. Over the course of the organisational and sociological reflections, the strategies and mechanisms that play a determining role within the organisation became evident:
Caritas takes it upon itself to co-determine poverty policies in Switzerland and presents itself as an advocacy group for the poor. Caritas Switzerland's strategy aims to legitimise and profile its work through fighting poverty over the next ten years and to pour its resources into this field.
In the face of rapidly changing social conditions and an increasingly open and competitive social service market, it will above all be necessary, to invest in professionalization in order to achieve this worthy, but high-risk goal.

Universität


Universität St.Gallen

Referent/Referentin


Schultheis, Franz (Prof. Dr.)

Korreferent/Korreferentin


Maeder, Christoph (Prof. Dr.)

Erweitertes Diss. Komitee



Fachgebiet


Organisation und Kultur (DOK)

Sprache


GER

Promotionstermin (dd.mm.yyyy)


14.09.2015

Erstellungsjahr (yyyy)


2015

Dokumentart


Dissertation

Format


PDF

Dissertationsnummer


4396

Quelle



PDF-File


dis4396.pdf

Dokumentverknüpfung


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letzte Änderung: 10/08/2015 - Allgemeine rechtliche Informationen - Datenschutz [ Nach oben ]