Metadaten







Promotionsordnung



Kumulative Dissertation



Titel


Patente auf genetische Informationen im Licht der Biodiversitätskonvention und des TRIPS-Abkommens

Titel (englisch)


Patents on Genetic Information with Regard to the Convention on Biological Diversity and the TRIPS Agreement

Autor/Autorin


Wartburg, Christian von

2. Autor/Autorin



Geburtsdatum


02.08.1967

Geburtsort


Liestal/BL

Matrikelnummer



Schlagwörter (GND)


Übereinkommen über die biologische Vielfalt; Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum; genetische Information; Patent

DDC (Dewey Decimal Classification)


Recht - 340

Freie Stichwörter (deutsch)


Biodiversität; Gentechnologie; Öffentliche Ordnung; Patentrecht; TRIPS-Abkommen; Biodiversitätskonvention; Offenlegungspflichten; genetische Informationen.

Freie Stichwörter (englisch)


Patent Law; TRIPS Agreement; Convention on Biological Diversity; Disclosure Requirements; Genetic Resources

Kurzfassung


Die Biodiversitätskonvention statuiert das souveräne Recht eines Staates, über seine genetischen Ressourcen, verfügen zu können. Gleichzeitig können die Ergebnisse moderner Bioprospektionsunterfangen mit Patenten geschützt werden. Dabei besteht die Gefahr, dass die Herkunftsländer vom zukünftigen Profit der Produkte, welche auf ihren genetischen Rohstoffen basieren, ausgeschlossen bleiben, solange bei Patenterteilungen nicht sichergestellt wird, dass die gestützt auf die Biodiversitätskonvention erlassenen nationalen Zugangsvorschriften eingehalten wurden. Die Herkunftsländer fordern deshalb mehr Transparenz bei der Vergabe von Patenten und verlangen die Implementierung neuer patentrechtlicher Offenlegungspflichten bezüglich Ressourcenherkunft. Diese Forderung hat zu einem Spannungsverhältnis geführt zwischen den Vorgaben der Biodiversitätskonvention und den Normen des Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights (TRIPS). Diese Arbeit beschreibt die Nutzung der Vertragsauslegung als Mittel zu Harmonisierung völkerrechtlicher Verträge. Entwickelt wird die These, dass neue Offenlegungspflichten nicht gegen die Vorgaben des TRIPS-Abkommens verstossen, weil Offenlegungspflichten als Sanktionen zur Verhinderung von Verstössen gegen grundlegende Normen der Rechtsordnung gestützt auf Art. 27 Abs. 2 TRIPS zulässig sind. Zur Bestätigung der These wird einerseits ermittelt, welche Normen zur öffentlichen Ordnung zu zählen sind. Andererseits wird Art. 27 Abs. 2 TRIPS zur Bestimmung des Norminhalts nach den Vorgaben der Wiener Vertragsrechtskonvention ausgelegt. Diese Arbeit kommt dabei zum Ergebnis, dass von einem weiten Anwendungsbereich der Norm ausgegangen werden darf und Art 27 Abs. 2 TRIPS nicht nur den Ausschluss von Erfindungen ermöglicht, deren gewerbliche Verwertung gegen die öffentlichen Ordnung verstösst, sondern auch Sanktionen zum Ausschluss von Erfindungen zulässt, deren Entstehungsprozess in Konflikt mit der öffentlichen Ordnung steht. Der weite Anwendungsbereich rechtfertigt sich aus zwei Gründen: Einerseits aufgrund des Gebots, dass die Rechtsordnung zumindest im Grundsätzlichen kohärent bleiben soll, andererseits kann die Zielvorgabe des TRIPS-Abkommens, die Förderung der Innovation auf eine dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohl zuträgliche Art und Weise, nur durch ein Patentrecht erfüllt werden, das effektiv sicherstellt, dass nicht diejenigen Erfinder belohnt werden, die sich ihren Vorsprung unter Verstoss gegen grundlegende Prinzipien der Rechtsordnung verschafft haben. Art. 27 Abs. 2 TRIPS eröffnet somit eine neue Möglichkeit, das TRIPS-Abkommen und die Biodiversitätskonvention zu koordinieren. Diese Koordination ermöglicht den Vertragsstaaten, patentrechtliche Offenlegungspflichten zur Sicherstellung der Einhaltung der Vorgaben der Biodiversitätskonvention einzuführen, ohne die TRIPS-Vorgaben zu verletzen.

Kurzfassung (englisch)


The Convention on Biodiversity recognizes the sovereign rights of States over their natural resources. It gives the authority to regulate access to genetic resources to the national governments. At the same time the progress in biotechnology enables the industry to seek patent protection for the results of modern bioprospection practices. As long as patent examiners are not obliged to ensure, that access rights have been observed, the countries of origin of genetic resources risk to be excluded from the profit of products, which are based on their very own resources. As a consequence these countries demand the implementation of new transparency measures in patent law. The newly proposed disclosure requirements met resistance. It is argued, that they are not conform to the provisions of the TRIPS Agreement. This doctoral thesis uses the means of treaty interpretation to harmonize the two agreements. Article 27.2 TRIPS is seen as a possibility to implement these two agreements in a mutually supportive manner. The author argues that new disclosure requirements are within the scope of Article 27.2 TRIPS and therefore do not conflict with other basic TRIPS provisions. This argument builds on the idea, that rules of the Convention on Biodiversity are part of the ordre public and the assumption, that Article 27.2 TRIPS does not only allow Member States to take measures to exclude inventions, the commercial exploitation of which is in conflict with the ordre public, but also inventions, during the course of the development of which, the inventor breaches elementary and fundamental rules of society. To verify this assumption the meaning of Article 27.2 TRIPS is interpreted according to the rules of the Vienna Convention on the Law of Treaties. The interpretation concludes that Article 27.2 TRIPS can be construed widely. Two main reasons are identified: first the general concept, that the legal system should be fundamentally coherent; secondly the conviction, that only a patent system, which can effectively ensure that no inventor, who breaches fundamental principles of the legal system, benefits from the grant of a patent, is true to the objective of TRIPS Agreement to promote innovation in a economically and socially sound way. The doctoral thesis concludes, that the wide interpretation of Article 27.2 TRIPS opens the possibility to coordinate the TRIPS Agreement and the Convention on Biodiversity in such a way, that new disclosure measurements - with the aim to ensure the enforcement of the objectives of the Biodiversity Convention - are legitimate transparency measures within the permitted patent exemption possibilities foreseen by the WTO.

Universität


Universität St.Gallen

Referent/Referentin


Schweizer, Rainer J. (Prof. Dr.)

Korreferent/Korreferentin


Hertig, Gérard (Prof. Dr.)

Erweitertes Diss. Komitee



Fachgebiet


Rechtswissenschaft

Sprache


GER

Promotionstermin (dd.mm.yyyy)


23.10.2006

Erstellungsjahr (yyyy)


2005

Dokumentart


Dissertation

Format


PDF

Dissertationsnummer


3147

Quelle



PDF-File


dis3147.pdf

Dokumentverknüpfung


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