Metadaten







Promotionsordnung


PromO07

Kumulative Dissertation


nein

Titel


Philosophie ohne Fortschritt? : zur kritischen Erneuerung eines problematischen Begriffes

Titel (englisch)


Philosophy without Progress? : toward a critical rehabilitation of a problematic concept

Autor/Autorin


Wagner, Till

2. Autor/Autorin



Geburtsdatum


10.09.1979

Geburtsort



Matrikelnummer


08617565

Schlagwörter (GND)


Fortschritt; Befriedigung; Metaphysik; Potenzialität; Das Absolute

DDC (Dewey Decimal Classification)


Philosophie und Psychologie - 100

Freie Stichwörter (deutsch)



Freie Stichwörter (englisch)


Progress; satisfaction; metaphysics; potentiality; the absolute

Kurzfassung


Die vorliegende Untersuchung findet ihren Ausgangspunkt zunächst in einer begriffslogischen Erörterung von Fortschritt als einer objektiv guten Entwicklung. Diese führt zu einem modifizierten Verständnis von Fortschritt, in dem begriffliche Strukturen zum Vorschein kommen, die den Fortschrittsbegriff in Bezug zur antiken, vor allem der aristotelischen Philosophie und in dieser zu den Begriffen der eudaimonia und der entelechie setzen und damit zu einem Denken, das in der Fortschrittsdiskussion bisher keine Rolle gespielt hat. Von da aus gelangen wir zu Terry Pinkards zeitgenössischer Interpretation der Philosophie Hegels, die Pinkard als einen "entzauberten Aristotelismus" versteht, in dem die eudaimonia in den Begriff der Befriedigung übergeht. Der in Pinkards Hegel-Interpretation entwickelte Begriff der Befriedigung dient sodann als eine erste Annäherung an ein Verständnis von Fortschritt im praktischen Sinne. Um deutlicher zu machen, was dieser Begriff gegenüber dem der Glückseligkeit zu leisten vermag, wendet sich die Untersuchung in einer kritischen Haltung erneut Aristoteles, dann aber auch Kant zu, in dessen praktischer Philosophie die Glückseligkeit ebenfalls eine entscheidende Stellung einnimmt. Die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit Aristoteles und Kant dienen einer genaueren Qualifizierung des Begriffes der Befriedigung. Diese geht über in die Formulierung eines subjektiven Fortschrittes. Ein subjektivistisches Fortschrittsverständnis reicht offensichtlich nicht dazu hin, die Möglichkeit einer objektiv guten Entwicklung, eines objektiven Fortschrittes zu plausibilisieren. Der Gedanke, den subjektiven Relativismus durch einen politischen Zusammenhang als einem solchen theoretisch in den Griff zu bekommen, scheitert. Pinkards Versuch, das Problem des Relativismus durch den Wahrheitsbegriff zu lösen, wird kritisiert. In seiner Argumentation bleibt der Relativismus weiter bestehen. Der Wahrheitsbegriff kann nur die Aussicht auf eine Lösung bieten, wenn es möglich ist, ein normatives Faktum in der Natur der Fortschrittssubjekte aufzuweisen, an dem sich möglicher subjektiver Fortschritt praktisch orientieren kann. Für einen solchen Aufweis muss zunächst deutlich gemacht werden, was unter der Natur der Fortschrittssubjekte näher zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang wird der Begriff einer natürlichen Vernunft entwickelt und ins Verhältnis zur Grundstruktur der Rationalitätstheorie von Jürgen Habermas gesetzt und vertieft. Im Anschluss daran wird der Versuch unternommen, in Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche eine moralische Norm als ein in der Natur der Subjekte gründendes normatives Faktum zu plausibilisieren, auf das hin sich ein objektiver Fortschritt als ein befriedigendes Leben in Frieden denken lässt. Schließlich stellt sich die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit der Erfüllung der moralischen Norm und danach, inwiefern davon ausgegangen werden kann, dass diese Bedingungen wirklich gegeben sind. Diese Fragen werden in einer kritischen Diskussion der religionsphilosophischen Überlegungen von Mark Johnston und der für diesen als Quelle dienenden Prozessontologie Alfred North Whiteheads sowie von Gunnar Hindrichs Begriff des Absoluten einer möglichen Antwort näher gebracht.

Kurzfassung (englisch)


This thesis begins with the conceptual analysis of progress as an objectively good development. This leads to a modified understanding of progress exhibiting conceptual structures which relate the concept of progress to antique philosophy, in particular Aristotelian philosophy and its concepts of eudaimonia and entelechie, i.e. to a thinking that so far has not played a role in the discussion on progress. From there, we will continue to Terry Pinkard's contemporary interpretation of Hegel's philosophy, which Pinkard understands as a 'disenchanted Aristotelism' in which the eudaimonia turns into the concept of satisfaction (Befriedigung). The concept of satisfaction developed in Pinkard's interpretation of Hegel will serve as a first approach to an understanding of progress in the practical sense. In order to contrast this concept with the concept of beatitude (Glückseligkeit), this thesis will first return to Aristotle and then turn towards Kant, in whose practical philosophy the concept of beatitude also takes a prominent position. The results of this examination of Aristotle and Kant will serve a more precise qualification of the concept of satisfaction. Following this, a subjective progress will be formulated. A subjectivist understanding of progress is obviously not suitable to underpin the possibility of an objectively good development, an objective progress. The attempt fails to theoretically come to grips with subjective relativism by a political context as such. Pinkard's attempt to solve the problem of relativism by the concept of truth is criticized. In his argumentation, relativism continues to exist. The concept of truth can only then provide a possibility for a solution if it is possible to establish a normative factum in the nature of the subjects of progress, which provides practical orientation to a possible subjective progress. For this, it will need to be clarified, what is to be understood by the nature of the subjects of progress. In this context, the concept of natural reason (natürliche Vernunft) is developed and set into context with the basic structure of Jürgen Hambermas rationality theory. In the following, Friedrich Nietzsche is discussed and an attempt is made to establish a moral norm as a normative factum rooted in the subjects' rational nature that would allow for an objective progress as a satisfactory life in peace (befriedigendes Leben in Frieden). Finally, the prerequisites of the possibility of the moral norm's fulfillment are discussed and it is examined whether these prerequisites are indeed given. This will include a critical discussion of the Mark Johnston's deliberations concerning the philosophy of religion, Alfred North Whitehead's process ontology, as well as Gunnar Hindrich's concept of the absolute.

Universität


Universität St.Gallen

Referent/Referentin


Thomä, Dieter (Prof. Dr.)

Korreferent/Korreferentin


Hampe, Michael (Prof. Dr.)

Erweitertes Diss. Komitee



Fachgebiet


Organisation und Kultur (DOK)

Sprache


GER

Promotionstermin (dd.mm.yyyy)


16.02.2015

Erstellungsjahr (yyyy)


2015

Dokumentart


Dissertation

Format


PDF

Dissertationsnummer


4316

Quelle



PDF-File


dis4316.pdf

Dokumentverknüpfung


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letzte Änderung: 01/09/2015 - Allgemeine rechtliche Informationen - Datenschutz [ Nach oben ]