Metadaten







Promotionsordnung


PromO07

Kumulative Dissertation


nein

Titel


Grammatik und Sozialkapital : sprachliche Relativität in Wirtschaft und Gesellschaft

Titel (englisch)


Grammar and Social Capital : Linguistic Relativity in the Economy and Society

Autor/Autorin


Meyer-Schwarzenberger, Matthias

2. Autor/Autorin



Geburtsdatum


28.04.1980

Geburtsort


Schleswig

Matrikelnummer


02669539

Schlagwörter (GND)


Soziales Kapital; Habitus; Pro-Drop-Parameter; Historische Grammatik; Sapir-Whorf-Hypothese; Gesellschaft; Wirtschaft; Politik

DDC (Dewey Decimal Classification)


Sozialwissenschaften - 300

Freie Stichwörter (deutsch)


Sozialkapital; Individualismus; Subjektivismus; Sozialdisziplinierung

Freie Stichwörter (englisch)


Individualism; subjectivism; social disciplining

Kurzfassung


Anhand von beliebigen Indikatoren lässt sich zeigen, dass Rechtsstaat, Demokratie und Kapitalismus in den individualistisch geprägten Gesellschaften des Westens besser funktionieren als in weniger individualistischen Gesellschaften. Auffällig ist, dass in den erfolgreichsten Ländern fast ausnahmslos Sprachen nordwesteuropäischer Herkunft gesprochen werden, die sich im Hinblick auf ihre Grammatik stark von allen anderen Sprachen unterscheiden. Unter anderem verlangt ihre Grammatik die offene Realisierung eines nominalen oder pronominalen Subjekts in jedem Satz. Gibt es zwischen dem Funktionieren gesellschaftlicher Institutionen und den Strukturen der Sprache einen ursächlichen Zusammenhang?
Die vorliegende Studie kommt tatsächlich zu diesem Schluss. Aufbauend auf zehn Sprachstrukturmerkmalen wird ein Index gebildet, der die Subjektprominenz, d.i. die Markiertheit einer topikalischen Agens-Kategorie als Kernbaustein der formalen Satzstruktur einer Sprache, messbar macht. Die Gegenüberstellung mit umfragebasierten Kulturindikatoren zeigt: Je deutlicher das Subjekt in der Sprache zur Geltung kommt, desto mehr tendiert die Gesellschaft zum Individualismus.
Im Laufe der vergangenen fünfhundert Jahre haben die Länder, in denen nordwesteuropäische Sprachen gesprochen werden, gegenüber allen anderen Ländern sowohl sozioökonomisch als auch beim Individualismus einen großen Vorsprung aufgebaut. Möglich wurde dies offenbar durch eine weitere kulturelle Besonderheit, die im obligatorischen Subjekt ihre Entsprechung findet: die verinnerlichte Herrschaft der Räson, die das Individuum zum »Subjekt« werden lässt. Das im 15. Jahrhundert entstandene, um 1700 grammatikalisierte offene Subjekt der nordwesteuropäischen Sprachen verankert jede Satzaussage im umgebenden Diskurs und verleiht der Sprache eine abstrakte Autorität, die jeder persönlichen oder amtlichen Autorität überlegen ist. Die modernen Institutionen des freiheitlichen Rechtsstaats, der Demokratie und der Marktwirtschaft beruhen implizit auf der Anerkennung dieser Autorität.

Kurzfassung (englisch)


Any indicator can be used to show that capitalism, democracy and the rule of law work particularly well in Western countries, which are typically characterized by the prevalence of cultural individualism. In almost all of these countries, languages of north-western European origin are being spoken, which contrast strongly with other languages with respect to structural features. In particular, these languages require an overt nominal or pronominal subject in every sentence. Is there a causal link between language structures and the performance of social institutions?
The results of this study indicate that such a relationship really exists. Based on ten grammar variables, an index is created to measure the prominence of the subject in a given language, i.e., the extent to which a topical agent category is marked and dominant in the formal structure of a sentence. Cross-cultural statistical analysis shows that the more the subject stands out in a language, the more the societies speaking this language are inclined towards individualism.
Over the last five hundred years, countries endowed with north-western European languages have been ahead of all other countries both in terms of individualism and socioeconomic development. Their head start in the modernisation process was accompanied by a cultural peculiarity I call subjectivism, i.e., the internalized rule of reason, which is mirrored and fostered in language by the obligatory subject. After its emergence in the fifteenth century and grammaticalization around the year 1700, the obligatory subject has come to link the predication of every well-formed sentence with the surrounding discourse, vesting an abstract authority in language which is superior to any author's personal or official authority. Modern governance institutions such as national democracy, the rule of law and the market economy inherently rely on the recognition of this authority.

Universität


Universität St.Gallen

Referent/Referentin


Caramani, Daniele (Prof. PhD)

Korreferent/Korreferentin


Werlen, Iwar (Prof. Dr.)

Erweitertes Diss. Komitee


Welzel, Christian (Prof. Dr.)

Fachgebiet


International Affairs and Political Economy (DIA)

Sprache


GER

Promotionstermin (dd.mm.yyyy)


14.09.2015

Erstellungsjahr (yyyy)


2015

Dokumentart


Dissertation

Format


PDF

Dissertationsnummer


4413

Quelle



PDF-File


dis4413.pdf

Dokumentverknüpfung


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letzte Änderung: 10/08/2015 - Allgemeine rechtliche Informationen - Datenschutz [ Nach oben ]