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Promotionsordnung



Kumulative Dissertation



Titel


Die kulturelle Einbettung der wirtschaftlichen Globalisierung – Wie kann dem Globalisierungsbegriff Kontur gegeben werden?

Titel (englisch)


The Cultural Embedding of Economic Globalization

Autor/Autorin


Breuer, Markus

2. Autor/Autorin



Geburtsdatum


07.04.1973

Geburtsort


Köln, Deutschland

Matrikelnummer



Schlagwörter (GND)


Globalisierung; Wirtschaftsethik; Soziokultur; Diskursethik; Kulturphilosophie

DDC (Dewey Decimal Classification)


Wirtschaft - 330

Freie Stichwörter (deutsch)


Globalisierung; Kultur; Diskursethik; UNO Global Compact

Freie Stichwörter (englisch)


Globalization; Business Ethics; Culture; Discourse Ethics; UNO Global Compact

Kurzfassung


Wie lässt sich eine Konturlosigkeit des Globalisierungsbegriffs vermeiden, ohne diesen direkt, beispielsweise ökonomisch, zu verkürzen? Auf welche Art gelangen wir zu einem umfassenden Begriff von Globalisierung, der sich als Sinnhorizont der verschiedensten lebenspraktischen Sphären anbietet, als Strukturmoment der Lebenspraxis selbst? Hier bedarf es eben nicht bloss der ökonomischen – einer gewissermassen reduktionistischen – Rekonstruktion, da wir hier einer Aufgabe philosophischer Reflexion gegenüberstehen. Im Zusammenhang dieser philosophischen Reflexion sollten wir bedenken, dass wir diese immer schon aus einer spezifischen Grundlage, aus einem bestimmten Standort heraus anstellen – mit der Folge, dass wir hier lediglich einem ‚vagen Begriff’ von Globalisierung gegenüberstehen. Diesem ‚vagen Begriff’ von Globalisierung nähern wir uns im Teil A unserer Ausführungen auf zweierlei Art und Weise, um so einen Grund legen und den Standort näher bestimmen zu können, von dem aus wir dann mit der Annäherung an einen umfassenderen Globalisierungsbegriff fortfahren.
So wenden wir uns zunächst frühen aufklärerischen Entwürfen zu (Abschnitt 1). Diese frühen Entwürfe bilden in verschiedener Hinsicht ein – eben mehr oder weniger – tragfähiges und zeitgemässes Fundament für das Verständnis von Globalisierung. Diese in die Zukunft hinein wegweisenden Ideen und ersten vagen Vorstellungen von Globalisierung müssen kritisch durchleuchtet werden: es sind diese Denktraditionen von beispielsweise Montaigne, Mandeville, Montesquieu, Fichte und Kant, in denen wir uns heute bewegen, und Ideen, die auch heute immer wieder in den Annäherungen an die Lebenspraxis eine Rolle spielen.
Diese globale Lebenspraxis werden wir im Weiteren den Ideen „gegenüberstellen“; wir werden diese globale Lebenspraxis, ihre Prozesse darlegen und erörtern, da sie der Standort sind, von dem unsere Betrachtungen ausgehen und um den es geht (Abschnitt 2). Dieser Standort stellt sich uns nicht nur als etwas Deskriptives dar. Im Rahmen globaler Lebenspraxis stehen wir den ethisch-normativen Forderungen einer vielschichtigen Praxis gegenüber.
Teil A ist die Grundlegung der vorliegenden Auseinandersetzung mit und um Globalisierung. Hierauf bauen sich die folgenden Erörterungen auf. Wir müssen weiter darlegen, was es braucht, damit wir nicht in einem ‚konturlosen, vagen Begriff’ von Globalisierung stecken bleiben. Was also bedarf es und was nicht, um die normativen Komponenten nicht zu vernachlässigen? Dieser Frage, der Erhellung der ethisch-normativen Forderungen und Komponenten wird ab Teil B nachgegangen.
Die ethisch-normativen Forderungen globaler Lebenspraxis werden allzu oft auf das rein Ökonomische verkürzt (Abschnitt 3). Einzig und allein der Systemcharakter einer entgrenzten, haltlosen Marktwirtschaft, einer angeblich neutralen Logik des Marktes würde die Möglichkeit zur Orientierung bieten. Dieser Überlegung muss kritisch auf den Grund geleuchtet werden, da vermutet werden kann, dass wir hier, im Rahmen der einseitigen Beschränkung auf das ‚System Markt’, einer gewissen Provokation gegenüberstehen; einem Mangel an Sensibilität im Umgang mit lebensweltlichen Fragen begegnen. Kennzeichnend, so zeigen wir im Zusammenhang mit dem Punkt der ‚Entbettung’ auf, ist hierfür im Zusammenhang mit der Systemlogik des Marktes die Behauptung kultureller Neutralität. Diese angebliche Neutralität macht die Logik des Marktes komplett unsensibel für Fragen kultureller Differenzen – ausser diese sind womöglich von strategischer Bedeutung.
Wollen wir dies im Zusammenhang mit den Fragen um und zur Globalisierung vermeiden, ist es unumgänglich sich Fragen der und zur Kultur zu stellen (Abschnitt 4). Kultur ist nämlich kein geschlossener Container mehr, so dass hier gerade im Zusammenhang des Aufeinandertreffens verschiedener Kulturen die Bedeutung von Globalisierung für (Inter-)Kulturalität, genauso wie auch die Bedeutung der (Inter-)Kulturalität für Globalisierung zu erörtern ist. Auch um ökonomische Verkürzungen zu vermeiden, müssen wir uns der Frage nach einer angemessenen, kulturell differenzsensiblen Globalisierung zuwenden und können hierbei, gewissermassen als ‚Lernfeld’, auf die Debatte um (Inter-)Kulturalität zurückgreifen.
Denn wir stehen mittlerweile einem weniger simplifizierenden Verständnis von Globalisierung gegenüber, welches viel stärker die komplexen, vielfältigen Herausforderungen der globalen Lebenspraxis aufgreift. Einseitige, unterkomplexe oder tradierte Erklärungs- und Orientierungsversuche sind nur noch wenig hilfreich. Wie aber kann diesen Herausforderungen begegnet werden, wenn wir davon ausgehen, dass Orientierung notwendig ist? Solch ein kulturell getränktes Verständnis von Globalisierung lässt die ökonomische Simplifizierung hinter sich und provoziert einen diskursiven Umgang mit Interkulturalität (Abschnitt 5). Wir legen bereits hier den Grundstein zur ‚Wieder-Einbettung’ des Systems in die Lebenswelt. Während sich in Teil B der Frage nach einem möglichen vernünftigen Umgang mit (Inter-)Kulturalität, als Implikation des weltweit zusammenwachsenden Wirtschaftssystems, zugewandt wurde, geht es im nun folgenden Teil C darum, die bislang „nur“ kritisierte systemische Seite des globalen Wirtschaftens im Denken und Handeln einzufangen und diskursiv einzubetten.
Im vorliegenden Zusammenhang spielen die Ideen der Diskursethik zwar eine zentrale Rolle, dienen aber „nur“ als Reflexionsbasis, um Globalisierung auf einen vollständigeren, umfassenderen Be­griff bringen zu können. Das bringt es mit sich, dass wir im Folgenden nach der praktischen Bedeutung der Diskursidee für die Globalisierung fragen; dass wir uns einer Diskursivierung von Globalisierung zuwenden, um so eben auch die systemische Seite wieder einbetten zu können. Drei solcher Momente von Diskursivierung können vorgeschlagen werden: die gedankliche Orientierungsfunktion und ihre weltpolitische Institutionalisierung (beide in Abschnitt 6 umrissen), sowie die Möglichkeit diskursiver, subpolitischer Formen kollektiver Selbstbindung (Abschnitt 7). Diesen subpolitischen Formen werden wir in unserer Skizze grössere Aufmerksamkeit zukommen lassen, und zwar nicht nur um uns von der fachphilosophischen und politisch-philosophischen Debatte abzugrenzen. Es geht uns um eine praktische und systemische Vermittlung zwischen Globalisierung und Diskurs. Für diese Vermittlung wählen wir hier gewissermassen einen Weg, ein „Instrument“ aus der Lebenspraxis kommend: das Beispiel des UN-Global Compact, durch das wir den Bezug zur wirtschaftlichen Globalisierung aufrechterhalten und uns nicht in Fragen zur philosophischen Orientierung oder politischen Institutionalisierung verlieren. Es geht darum, Wege der Orientierung für komplexe Systeme und die komplexe, vielschichtige Lebenswelt zu finden – und in diesem Zusammenhang einen konturlosen, vagen Begriff von Globalisierung zu überwinden, zu präzisieren. Es sollte uns also auch daran gelegen sein zu bedenken, ob und inwieweit diskursive Ideen und Grundlagenreflexionen sich tatsächlich „praktisch bewähren“.

Kurzfassung (englisch)



Universität


Universität St.Gallen

Referent/Referentin


Ulrich, Peter (Prof. Dr.)

Korreferent/Korreferentin


Burckhart, Holger (Prof. Dr.)

Erweitertes Diss. Komitee



Fachgebiet


Wirtschaftswissenschaften

Sprache


GER

Promotionstermin (dd.mm.yyyy)


04.04.2005

Erstellungsjahr (yyyy)


2005

Dokumentart


Dissertation

Format


PDF

Dissertationsnummer


3003

Quelle



PDF-File


dis3003.pdf

Dokumentverknüpfung


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letzte Änderung: 11/15/2006 - Allgemeine rechtliche Informationen - Datenschutz [ Nach oben ]